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Instagram

Zickenzeit: Instagram als Social Network?

Instagram ist mittlerweile ein viel genutzter Begriff unter passionierten Usern von Smartphone und Internet geworden. Diese Form des Social Media Teils wird heute zu vielen Zwecken genutzt, wenn doch auch kaum zu dem, zu dem es eigentlich geschaffen wurde…

Hexe

Hexe by Ta Moe

Ein Instagram Account ist schnell erstellt. Mit dem Smartphone wird in dem entsprechenden Store schnell die kostenlose App heruntergeladen und unter Angabe der Emaialdresse wird in windeseile ein eigenes Konto erschaffen. Schnell noch ein Häkchen gesetzt bei dem auploppenden Kästchen zum Thema Urheberrecht. Braucht ja eh keiner. Das Internet ist ja rechtsfreier Raum (Achtung, Ironie! Lest hierzu auch unseren Artikel zum Thema Urheberrecht). Hier und da noch eine Einstellung und die Frage: Mache ich meinen Account lieber öffentlich, oder privat? Und dann auch noch schnell die verknüpften Facebookfreunde als die ersten Follower eingeladen – mehr kommen ja eh von alleine – und dann kann auch schon gepostet werden, was das Zeug hält.

Für manche ist Instagram insbesondere eins: Die Erweiterung ihres persönlichen Bad Mood Tickers. Wo Facebook,Twitter, G+ und Co. nicht mehr reichen, muss hier etwas Neues her. Eine ganz neue Form, um der Welt mitzuteilen, wie schlecht es einem geht, wie arm man dran ist und dass es ja keinen Menschen auf der Welt gibt, bei dem alles so schlimm ist, wie bei einem selbst. Einen passenden Text dazu hat man schon im Kopf, muss nur noch ein Foto her. Ohne geht es ja nicht bei Instagram. Also wird schnell eins aufgenommen oder rausgesucht. Am besten eines, was die Stimmung Einsamkeit gut herüber bringt.

Vielleicht ein Blick in die Ferne? Ohne eine Menschenseele auf dem Bild? Perfekt. Fernweh und Einsamkeit, das muss es sein! Das Bild wird noch schnell bearbeitet, denn da bietet Instagram tolle Vorlagen und am Ende hat das Bild genau die gewünschte Stimmung, um den Text hinzuzufügen. Dieser ist schnell geschrieben, egal ob auf Deutsch, Englisch, Denglisch oder wahlweise einfach Googleübersetzer oder einfach nur schlechtem Englisch. Verlinkt wird natürlich niemand! Schließlich will man ja mit diesem Bild die Einsamkeit und alles schlechte auf der Welt darstellen. Egal wie, hier zählt nur eines: Die Menschheit kann an dem täglichen Bad Mood Ticker teilhaben – mit Bildern! Und im Idealfall sammeln sich dann haufenweise Kommentare von den nicht verlinkten Freunden, oder Fremden unter diesem Bild, die einen darin bestärken: Du Armes! Nein, das hast du nicht verdient! Oh, schlimme Welt! Oder… oder… oder…
Nah dran am Bad Mood Ticker ist die Verwendung von Instagram als Tagebuch. Ein Tagebuch, wo ebenfalls die Welt wieder dran teilhaben kann. Diesmal aber genau „the other way round“, denn hier werden Bilder herausgekramt, wo man doch besonders viel zu erzählen kann und im besten Falle Eindruck schinden kann bei den Followern, die man über die Zeit so angesammelt hat. Pikant an dieser Form des Tagebuchs ist, dass die Meisten Profile hierbei öffentlich sind und so wirklich jeder Hintz und Kuntz lesen kann, mit was für grandiosen Erlebnissen man das Leben so garniert. Dass diese zum Teil maßlos übertrieben werden… nun, das gehört einfach dazu in der Höher, Schneller, Besser Gesellschaft, in der wir leben. Markenzeichen bei der Tagebuchverwendung ist übrigens in diesem Falle die Erzählungen in Muttersprache zu verfassen. Eher selten gelesen werden hier die Versuche auf Englisch, Denglisch und Co. Ach ja, Mischungen aus Bad Mood Ticker und Tagebuch gefällig? Kein Problem, auch so etwas gibt es in der großen Welt von Instagram!

Die nächsten Accounts sind im Übrigen nicht ganz zweckentfremdet. Denn hier werden nun Fanfictions geschrieben. Ihr wisst schon, diese selbst geschriebenen Geschichten, in denen die Stars eine Hauptrolle spielen und meist auch der ein oder andere eigene Charakter auftaucht. Wie gut oder schlecht sie geschrieben sind und wie viele Rechtschreibfehler man an der Handytastatur dabei einbaut, ist hierbei vollkommen egal. Hauptsache die Fanfiction wird gelesen und im Idealfall vielfach mit gleich vielen oder wenigen Rechtschreibfehlern kommentiert, was das Zeug hält. Ach ja! Die Likes nicht zu vergessen! Denn oft werden die kurzen Geschichtenteile dann beendet mit „Bei XY Followern“, „XY Likes“ oder „XY Kommis“ geht es weiter. XY steht hier im Übrigen für die beliebig variierende Zahl, die hier von dem Accountinhaber eingesetzt wird, um seine Leser zur Interaktion zu nötigen. Und sein wir mal ehrlich, wirklich richtig gute Geschichten gibt es bei Instagram echt wenige. Da muss man dann schon eher auf eines der einschlägigen Fanfiktion-Portale wechseln. Dort gibt es zwar auch genau so viel durchschnittliches und unterdurchschnittliches Geschreibsel, aber eben auch bedeutend mehr überdurchschnittliches!

Beliebt sind Fanfictions auch als Bestandteil der sogenannten Fanaccounts. Und hier wird es nun richtig interessant. Denn Fanaccounts sprießen aus dem Boden, wie Unkraut und das nur zu einem Zweck: Höher, Schneller, Weiter als jeder andere! Jeder Account lechzt nach den Meisten Followern, den meisten Likes auf Bilder und die Meisten Kommentare. Dabei ist es herzlich egal, dass die Bilder zumeist einem Sammelsurium urheberrechtsverletzender Bilder besteht, die fröhlich überall, wo es Bilder in der weiten Welt des Internets zu finden gibt, zusammengesucht werden. Hauptsache man hat als Allerallererstigster (ja, ich verwende bewusst eine falsche Übersteigerung des Wortes Erster!) das gerade eben von seinem Star gepostete Bild gerepostet! Hauptsache man hat die einzigartigsten und besten Fotos bei Google und Co. gefunden und postet diese auf seinem Account. Am besten noch mit dem eigenen Copyrightzeichen drauf, damit es auch keiner repostet – auf den Sinn und Unsinn dieser Rechtswidrigkeit mag ich dann mal nicht näher eingehen. Und so wird aus dem Betreiben eines Instagram Fanaccounts mittlerweile ein Wettbewerb, in dem es nur darum geht, besser im Bilderklauen zu sein, als alle anderen. Dass damit in einer Tour gegen die Gemeinschaftsrichtlinien von Instagram verstoßen wird, interessiert hier keinen. Außer vielleicht die Rechteinhaber der Fotos, die sich eine goldene Nase an den Fanaccounts verdienen würden und vielleicht sogar werden, wenn es zu einer Abmahnwelle kommen sollte. Wir werden diese Entwicklung auch weiterhin mit Sorge beobachten und am besten schon mal die Ohrstöpsel bereit halten, wenn wirklich irgendwann abgemahnt und Geld kassiert wird, damit wir die entsetzten Schreie von Accountinhabern und bei Minderjährigen auch von deren Eltern abfedern zu können.

Und ganz zum Schluss schreibe ich nun auch tatsächlich noch darüber, wozu Instagram eigentlich wirklich geschaffen wurde. Kaum zu glauben, aber wahr, denn die kleine App hatte tatsächlich einmal einen Zweck, welcher durch die vorab genannten Veränderungen jedoch leider fast gänzlich in den Hintergrund gerückt ist und die Community nur noch im Verhältnis wenige Accounts aufweist, die diesen Zweck verfolgen. Denn ursprünglich war Instagram eins: Eine Plattform zur Präsentation seiner Smartphone-Fotos, die gleichsam Profifotografen, wie auch die passionierten Hobby- und Freizeitfotografen nutzen konnten, um den Menschen Einblicke in die eigenen (Thema Urheberrecht) ganz höchstpersönlich selbst geschossenen Fotos zu geben und diese mit zwei, drei, vier Sätzen zu beschreiben und vielleicht noch mit anwesende Personen zu verlinken. Eine eigentlich sinnvolle und gleichsam simple Aufgabe, die diese Handy-App ursprünglich zu erfüllen hatte und die durch die Zweckentfremdung der meisten Nutzer nun gar nicht mehr so simpel ist und aus Instagram nun doch ein weiteres großes Social Media Portal gemacht hat. Schlicht, aber gänzlich überspitzt gesagt: Die Entwicklung von der Handy-App bis zur Übernahme der Weltherrschaft!

Und weil es so schön ist, gebe ich euch allen gerne noch einen Link mit an die Hand, wo Instagram selbst öffentlich schreibt, was auf dem Portal erlaubt ist und was nicht:
https://help.instagram.com/477434105621119