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Urheberrecht by Janna Stroink

Zickenzeit: Die leidige Sache mit dem Urheberrecht

Mittlerweile ist es tatsächlich in aller Munde, das Urheberrecht! Und damit natürlich auch das zugehörige Gesetz. Bei den Meisten stößt es jedoch auf Widerstand und Unverständnis, auch wenn einen dieses Unverständnis und der Widerwille ein Gesetz zu akzeptieren und zu befolgen schnell mal tausende von Euro kosten kann.

Hexe

Hexe by Ta Moe

Ein Foto hier, ein Foto da, dazwischen mal ein Song, welcher GEMA geschützt ist, noch ein Foto und… ach… das nehmen wir auch noch dazu! Und schwupps haben wir ein neues Video für YouTube oder Instagram gebastelt. Der Ersteller dieses Videos ist stolz und läd sein Werk natürlich sofort auf YouTube hoch, verlinkt es bei Facebook, Twitter, Google+ und allen anderen Social Media Plattformen, die in irgendeiner Form von ihm genutzt werden. Er freut sich über all die Likes und Klicks, die Brust schwillt immer stolzer an.

Doch dann der Schock. Unter dem vermeintlich grandiosesten Video seit Gründung der YouTube-Geschichte, erscheint ein Post als Kommentar direkt unter dem Video. Irgend so ein dahergelaufener irgendwas schreibt da drunter, dass man sein Bild verwendet habe und man es bitte löschen solle, da er eine Verwendung seines Fotos nicht wünscht? Pah, darauf wird schnell geantwortet: Das hab ich von Google! Das kann gar nicht deins sein! Und selbst wenn, dann hast du es bei Google hochgeladen und dann darf das jeder benutzen!

Und genau hier fängt es plötzlich an zu haken. Der eigentliche Urheber denkt sich nur ein kurzes „WTF???“ und wird an dieser Stelle auf Grund dieser Antwort entweder noch einmal antworten, oder aber direkt seinen Anwalt einschalten, der sich dann um Weiteres kümmern kann. Und so nimmt das Unheil plötzlich seinen Lauf.

Der Ersteller des Videos ist immer noch stolz auf sein Werk und verbreitet es nachhaltig weiter im Internet. Bis plötzlich der Brief ins Haus flattert. Er wird gelesen und gelesen und die Farbe weicht aus dem Gesicht. Schnell wird der Brief zu den Eltern ein Stockwerk tiefer gebracht, die diesen ebenfalls lesen und statt immer weiter zu erblassen, steigt ihnen eine gewisse Zornesröte ins Gesicht. Dann die donnernde Frage: Eine Unterlassungserklärung? Und dann sollen wir auch noch 12.000,00 Euro bezahlen? Wegen 2 (!!!) Fotos, die du in einem Video verwendet hast?

Hier unterbrechen wir jetzt einmal das fiktive Szenario und betrachten das ganze Konstrukt an sich. Wir haben hier einen Jugendlichen (könnte auch ein Erwachsener sein), der sich bei der Google Bildersuche wahllos Bilder runtergeladen hat. Soweit noch nichts Verwerfliches, denn für den privaten Gebrauch ist das vollkommen erlaubt und stellt bis dahin keinerlei rechtliche Hürde dar. Kritisch wird es aber auch hier schon in einem Punkt: Der User denkt, alle Bilder von Google (oder anderen Portalen) wären direkt bei Google hochgeladen, sind damit frei von Rechten der Urheber/Dritter und absolut frei in der weiteren Nutzung.

Und hier fangen wir einmal mit dem Erklärungsansatz an. Im Falle von Google handelt es sich um eine Suchmaschine. Google ist weder Fotograf, noch Inhaber irgendwelcher Bildrechte, Google durchsucht lediglich das Internet nach Bildern auf Webseiten, in Foren, auf Facebook usw. und stellt diese in einer Ergebnissammlung grafisch für den User aufbereitet auf ihrer Seite dar. Natürlich inklusive der Verlinkung zu der jeweiligen Seite, die dahinter liegt, denn klickt man das Bild an, landet man genau dort. Im Übrigen weist Google sogar darauf hin, dass die Bilder eventuell urheberrechtlich geschützt sind. Somit wird die Verantwortung für etwaige Fehlnutzung dann an den User weitergegeben. Er wurde ja schließlich darauf hingewiesen.

Zurück im Text. Bis hierher ist ja rein rechtlich noch gar nichts passiert, was den Anwalt des Urhebers auf den Plan hätte rufen können. Jedoch in dem Moment, wo der unbedachte Videoersteller hin geht und die Bilder in einem Video verarbeitet, verstößt er gegen das Urheberrechtsgesetz. Er darf, ohne eine schriftliche Genehmigung des Urheberrechtsinhabers, welches in der Regel der ursprüngliche Fotograf eines Fotos ist, dieses Bild nicht verwenden. Zumindest nicht unter der Prämisse, dass dieses Video in irgendeiner Form veröffentlicht oder verbreitet werden soll.

Dass dieses Video dann tatsächlich seinen Weg ins Internet findet, macht das Ganze nur noch schlimmer. Im angenommenen Fall hat ein User ein Video aus diversen Fotos, die er ‚von Google runtergeladen‘ hat erstellt und einen Song gewählt, der zudem eigentlich GEMA Gebühren kosten würde. Diese lassen wir für die weitere Betrachtung jedoch einmal außen vor, denn sonst würden wir hier gar kein Ende mehr finden. Bisher ist dem Videoersteller auch noch nichts passiert, denn sein Video hat noch keine Aufmerksamkeit eines Bildurhebers (oder der GEMA) geweckt.

Interessant wird es jedoch in dem Moment, wo ein Urheber sein Bild in dem Video (vielleicht sogar rein zufällig) entdeckt und dies dann auch noch bekannt gibt. Die Bekanntgabe wäre nicht einmal notwendig gewesen. Der Urheber hätte auch gleich seinen Anwalt einschalten können, der handelt. Aber da wir einfach mal annehmen (wollen), dass die meisten Urheber nett und nicht nur auf ihren Profit (durch das Einschalten des Anwalts) aus sind, hat er eben diesen Weg gewählt, dem Ersteller mitzuteilen, dass er nicht möchte, dass seine Bilder auf diese Weise genutzt werden und er dies bitte unterlassen möge.
Hier hätte der Ersteller nun die Wahl gehabt. Sofort zu reagieren und den Beitrag zu löschen, oder den Beitrag des Urhebers komplett zu ignorieren oder aber das, was unser fiktiver Charakter getan hat: Frech zu antworten. Bei Ersterem wäre nichts weiter passiert. Der Ersteller löscht sein Video, erkennt den Wunsch des Urhebers an und wenn er ganz einsichtig wäre, würde er sich in diesem Moment vielleicht sogar entschuldigen oder gar so mutig sein und sich vielleicht bei dem Urheber einmal darüber informieren, was es überhaupt ist: Das Urheberrechtsgesetz! Und vielleicht auch: Was bedeutet das für mich?

Sollte der Ersteller nun aber ersteren Weg ablehnen und einen der beiden Weiteren nutzen, bekommt er über lang oder kurz ein Problem. Der Urheber des Fotos kann über das Portal, auf dem sich das Video befindet die Löschung beantragen. Das wird in vielen Fällen auch gemacht. Auch hier, ohne weitere Konsequenzen, außer, dass der Portalbetreiber bei verdächtigen Konten, die so etwas häufiger machen, die Konten sperren kann und wird. Geht der Urheber jedoch hin und gibt die Angelegenheit an den Anwalt weiter, beginnt es für den Videoersteller ungemütlich zu werden.

Der Anwalt recherchiert und arbeitet im Hintergrund. Er sucht sich alle erforderlichen Informationen zusammen und hat tatsächlich das Recht sich über Portalbetreiber, Emailbetreiber, Serverinhaber usw. wegen dieser begangenen Straftat die Anschrift des Videoerstellers zu erfragen und im Extremfall gar zu erklagen. Und so kommt es dann, dass plötzlich so ein netter Brief ins Haus flattert. Vom Anwalt. Mit einer Unterlassungserklärung und einer zugehörigen Rechnung über die nicht Erlaubte Nutzung eines urheberrechtlich geschützten Bildes.

Die Summen können hier variieren, je nachdem, was der Anwalt mit seinem Klienten ausgemacht hat. Allerdings ist die angegebene Summe von 12.000,00 Euro für 2 Bilder nicht unrealistisch, denn die Summe 6.000,00 Euro wurde derzeit als maximaler Fixbetrag für die unerlaubte Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke des Fotografiebereiches festgesetzt, wobei sich dies aber unter Umständen mit dem nächsten Gerichtsurteil wieder verändern kann. Jedoch nur in eine Richtung: Nach oben!

In unserem fiktiven Fall haben wir noch eine weitere Besonderheit. Unser User ist noch Minderjährig. Er wohnt noch bei den Eltern und hofft natürlich, dass diese ihn daraus boxen oder aber das Ganze irgendwie übernehmen. Faktisch auch zunächst einmal korrekt. Die Eltern haften augenscheinlich erst einmal für ihre Kinder. Sind diese jedoch über 14, kann hier die Zahlungspflicht und auch die Unterlassungserklärung auf das Kind persönlich abgewälz werden, was in der Regel viele Anwälte sogar raten. Mit der einfachen Aussage: „Wir haben unser Kind über die Rechte und Pflichten im Internet aufgeklärt!“ haben die Eltern nachgewiesen, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind und alle aus dem Anwaltsschreiben folgenden Zahlungen und sonstige rechtliche Forderungen, werden komplett auf das Kind übertragen. Die Eltern sind damit raus. Und mit viel Pech, verfolgt einen diese kleine Unachtsamkeit unter Umständen ein Leben lang, wenn man als Videoersteller für ein einfaches, dummes 3-Minutenvideo plötzlich einen riesigen Berg an Schulden abbezahlen muss.

In diesem Sinne kann und will ich einfach einmal an jeden Einzelnen da draußen appellieren: Informiert euch, bevor ihr hinterher in Schwierigkeiten geratet! Nehmt einen Rat von jemandem an, der euch eigentlich nichts Böses will, sondern versucht euch über geltendes Recht aufzuklären!
Denn: Ich habe das nicht gewusst! ist keine Ausrede. Wir leben in einem Land mit Gesetzen und hier gilt ganz klar, dass auch Unwissenheit vor Strafe nicht schützt. Denn jeder hat die Möglichkeit sich zu informieren – gerade, wenn er das Internet und insbesondere Google auch für andere Dinge nutzen kann!

Nützlich könnten zur Information die folgenden Links sein:
https://www.google.de/#q=urheberrechtsgesetz
https://www.google.de/#q=urheberrecht+foto
http://sheepworld.de/copyright/